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Risiko

Es ist ein bisschen spannend, wie sich die aktuellen Lockerungen in Deutschland auswirken werden. Immerhin ist aber Sport erlaubt, zunächst die Einzelsportarten, ab Juni auch der Rest, natürlich mit starken Auflagen.

Es wäre auch kaum haltbar gewesen, Vereinsport weiterhin zu verbieten, wenn man ausgerechnet den Fußball-Bundesligen grünes Licht gibt.

Ob es aber dabei bleiben wird, hängt davon ab, wie gut das Konzept, welches die DFL entwickelt hat, greift.

Natürlich versucht der Profi-Fußball, die Saison zu Ende zu spielen. In erster Linie deshalb, weil andernfalls die Fernsehgelder nicht fließen. Nun kann man das aber unter Gesundheitsaspekten durchaus kritisch sehen und viele tun das auch. So werden schon die Vorbereitungen beäugt und der geringste Fehler macht sofort Schlagzeilen.

Ohne Kontakt ist Fußball aber nicht möglich und deshalb werden alle Akteure permanent getestet und bei Infektionen aussortiert. Bislang gab es drei Tests, beim ersten wurden von ca. 2500 Personen zehn positiv getestet, darunter drei in Köln und ein Fall in Dresden. Die Betroffenen wanderten in Quarantäne und die Vorbereitungen gingen weiter.

Der zweite Test verlief ergebnislos und ließ hoffen, dass jetzt alles seinen Gang gehen kann. Beim dritten aber wurden zwei weitere Dresdener Spieler positiv getestet und das örtliche Gesundheitsamt schickte den ganzen Verein mit 61 Personen in Quarantäne.

Diese Entwicklung lässt natürlich berechtigte Zweifel an der Zuverlässigkeit der Tests aufkommen, die ja dadurch erschwert werden, dass sich der Erreger erst nach einer gewissen Zeit nachweisen lässt, Weiterverbreitung aber schon vorher möglich ist. So ist die Reaktion des Gesundheitsamtes in etwa nachvollziehbar.

Jetzt sind wir an einem Punkt, wo die Dresdener erst einmal von jedem bedauert werden, weil ihnen nicht nur die ersten beiden Spiele fehlen, sondern auch die Vorbereitungszeit, was definitiv einen Wettbewerbsnachteil mit sich bringt. Sollte dort aber noch einmal etwas Vergleichbares vorkommen oder bei einem der Gegner, dann kann vielleicht eben deshalb die Saison nicht beendet werden.

Und dann ist Dresden der große Profiteur, denn unter normalen Umständen könnten sie die Liga nicht halten, bei einer Annullierung der Saison aber natürlich schon. Dresden hatte ohnehin schon zu den Mannschaften gehört, die sich gegen eine Fortführung der Ligen ausgesprochen hatten, ausnahmslos alle Abstiegskandidaten waren da, vermutlich ganz uneigennützig, vertreten.

Und so spielt das Dresdener Gesundheitsamt vielleicht dem eigenen Verein in die Karten, obwohl es zu diesem Zeitpunkt erst einmal genau anders herum aussieht.

Es kommt nicht von ungefähr, dass bei Sportereignissen die Verbände die Entscheidungshoheit haben und im Normalfall lokale Behörden außen vor sind. Nur ist das in diesem speziellen Fall natürlich nicht zu machen, denn Covid-19 betrifft ja alle Bereiche an einem Ort und deshalb hat die lokale Gesundheitsbehörde zu Recht die Oberaufsicht.

Wir hoffen also mal, dass alles mit der nötigen Sorgfalt verläuft und nicht plötzlich ungewöhnlich viele Fälle speziell bei Abstiegskandidaten auftauchen. Das hätte einen wirklich unangenehmen Beigeschmack.

Ein Abbruch der Bundesligen mit der dazugehörigen Medienpräsenz hätte aber auch sofort Auswirkungen auf den lokalen Sport in ganzen Land und das wünschen wir uns wirklich nicht. Angesichts dessen ist es den Bundesligen zu gönnen, mutig oder nicht, ihre Saison zu Ende zu bringen. Alles Andere wäre fatal.

Fit bleiben zu Hause

Die Stadien sind zwar wieder geöffnet, sich fit halten kann man aber auch zu Hause.
Auf der Internetseite des TV Friesen findet man zahlreiche Anregungen, wie das geht unter https://tv-friesen-telgte.de/sportarten/fit-in-der-coronazeit/.
Hier findet man zahlreiche Videos für unterschiedliche Ansprüche, alle in der Corona-Zeit entstanden.
Johannes Nathschläger zeigt dort in bislang 29 Videos recht professionelle Workouts.
Für die ganze Familie sind die Videos von Katrin Schwarte und ihren Kindern geeignet.
Ursprünglich für die Leichtathletik-Kinder gedacht, war der Friesen-Vorstand bemüht, Beiträge für die vereinsfreie Zeit zu erstellen und so landeten die Videos auf der Friesen-Seite.
In ganzen 56 Videos gibt Katrin Schwarte Beispiele, wie man sich, drin oder draußen, spielerisch fit halten kann, so dass das jeder zu Hause nachahmen kann. Anregungen, die man immer gebrauchen kann, auch in Zukunft.

Coronavirus zwingt Volksbank-Cup zur Zwangspause

Laufserie findet erst 2021 wieder statt

Ostbevern/Einen/Telgte/Everswinkel. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Volksbank-Cup-Laufserie mit seinen vier Läufen in Ostbevern, Einen, Telgte und Everswinkel wird auch künftig stattfinden, allerdings erst im nächsten Jahr. Diese Entscheidung hat das Volksbank-Cup-Orga-Team kürzlich in Abstimmung mit dem Hauptsponsor, der Vereinigten Volksbank Münster, getroffen.

„Auch wir als Sponsor bedauern die Absage des Volksbank-Laufcups sehr. Die Gesundheit aller Beteiligter, egal ob Läufer, Helfer oder Fan, steht für alle im Vordergrund, genauso wie das gemeinsame Ziel, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Daher können wir die Entscheidung der Absage nur unterstützen“, sagt Friedhelm Beuse, Vorstandmitglied der Vereinigten Volksbank Münster.

Die Entscheidung ist unausweichlich, da sowohl der Beverlauf in Ostbevern als auch der Ems-Lauf in Warendorf-Einen im August hätten stattfinden sollen. „Großveranstaltungen sind bis 31. August untersagt, dazu gehören auch Volksläufe. Wir hatten leider keine andere Wahl“, erklären Arne Wittenberg (Einen) und Dominik Brune (Ostbevern).

Der Telgter Citylauf, ebenso Teil der Laufserie, ist für den 26. September angesetzt. Mirco Borgmann, Sprecher des Telgter Orga-Teams, hat noch Hoffnungen, dass der Lauf stattfinden darf. „Noch ist es zu früh, eine Aussage darüber zu machen. Unser Team wird in den nächsten Tagen gemeinsam entscheiden, ob wir am Citylauf festhalten“, sagte er. Die besten Chancen auf eine Austragung ihres Nikolaufs haben die Everswinkeler. Dieser soll am 5. Dezember stattfinden. „Wir halten an dem Termin fest“, erklärte Cup-Orga-Team-Mitglied Stefan Dieckmann. Ausfallen muss dagegen der Vituslauf im Juni, der nicht zur Laufserie gehört.

Die Läufer, die sich bereits angemeldet haben, werden über die Verlegung informiert. „Wir hoffen sehr, dass der beliebte Volksbank-Laufcup im kommenden Jahr wieder wie gewohnt stattfinden kann“, sagte Beuse. Diesem Wunsch schließen sich auch die Organisatoren an.  Die Zusage des Hauptsponsors, den Cup für die nächsten fünf Veranstaltungen zu unterstützen, steht.  

Was geht?

Wenn man jetzt über Lockerungen in den Corona-Verfügungen nachdenkt, wird in aller Regel der Sport vergessen oder aber als besonders problematisch angesehen. Doch gerade hier sollte man im Rahmen der Möglichkeiten bald wieder starten. Es ist bestimmt nicht gesund, wenn sich die gesamte Bevölkerung nur noch zu Hause auf der Couch aufhält.

Und ist es nicht angebracht, nach Lösungen für Probleme zu suchen, anstatt in einer Schockstarre zu verharren?

Was hier am leichtesten geht, sind größtenteils die Einzelsportarten.
Beim Golf beispielsweise gibt es eigentlich keinen Grund, das Spiel zu verbieten. Ein Flight besteht im Höchstfall aus vier Personen, die schon im Normalbetrieb genügend Abstand voneinander haben. Man benutzt eigenes Equipment und ohne die Nutzung des Clubhauses spricht eigentlich nichts dagegen.


Ähnliches gilt für Tennis. Die Spieler sind genügend voneinander entfernt, beim Seitenwechsel muss man vielleicht unterschiedliche Seiten benutzen, den Ball könnte man mit Handschuh aufnehmen und zum Aufschlag hochwerfen.
Skifahren ist ebenfalls vollkommen unproblematisch, wenn man auf den Aprés Ski und auf stark besetzte Gondeln verzichtet. Während der eigentlichen Fahrt kann eigentlich nichts passieren. Das ist auch bei anderen Wintersportarten so.


Das gleiche gilt für Motorsport. Hier ist der Fahrer mit seinem Sportgerät allein, noch dazu durch seine Kleidung geschützt. Das gilt zwar auch für die Mechaniker, dennoch könnte man die Zahl derer, die am Auto arbeiten, auf zwei beschränken, so dass auch hier genügend Abstand gewährleistet wäre.

Auch Reitsport geht. Man muss die Nadelöhre, durch die die Reiter bei einer Veranstaltung müssen, entzerren, bei Springen, Dressur und im Gelände ist der Reiter aber sowieso mit seinem Pferd allein.

Gleiches gilt für die Leichtathletik. Bis auf die Laufwettbewerbe ist alles unproblematisch. Da kann man aber auch noch über Einzelstarts nachdenken und nur die Zeit entscheiden lassen.

Das ist auch beim Radfahren so. Straßenrennen im Einzelzeitfahren statt Windschatten, Downhill und ähnliches ist sowieso unproblematisch.

Je näher sich aber die Teilnehmer einer Sportart kommen, desto schwieriger dürfte die Durchführung sein. Badminton müsste noch gehen, Tischtennis ist hart an der Grenze, sämtliche Kampfsportarten kann man erst mal vergessen.
Und Mannschaftssportarten dürften sowieso ein Problem darstellen.

Natürlich macht man sich Gedanken über hohe Zuschauerzahlen bei Sportveranstaltungen. Aber das gilt ja wirklich nur für ganz spezielle Veranstaltungen. Natürlich kann man keine 80.000 Zuschauer zu einem Bundesliga-Spiel ins Stadion lassen, aber warum nicht 10.000, alle auf markierten Sitzen mit genügend Abstand. Da wäre sogar noch eine Choreo möglich.
Eine Lösung, die auch die Formel 1 anstreben könnte.
Bei beiden geht es auch darum, ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Fernsehsendern zu erfüllen, sonst fließt von dort kein Geld. Und das kann man zur Not auch ganz ohne Publikum.
Denn es ist ja auch für die Menschen vor den Fernsehern gut, wenn etwas passiert und wenn sie mal von etwas anderem hören, als von morgens bis abends nur vom Virus.
In den niedrigeren Klassen gibt es die Problematik gar nicht. Ein Formel 2-Rennen interessiert gerade mal ein paar tausend Leute, gefahren wird aber auf Anlagen, die für über 100.000 Besucher ausgelegt sind. Und die 100 Leute, die zu einem Kreisligaspiel kommen, kann man leicht um den Sportplatz herum verteilen.

Ja, es gibt beim Sport auch eine Verletzungsgefahr, die die Mediziner zusätzlich belasten könnte. Das wäre aber abzuwarten, derzeit haben wir da ohnehin stark verschobene Verhältnisse. Erheblich weniger Unfälle im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz, dafür vermehrt im eigenen Haushalt, immer schon der häufigste Ort für Verletzungen jeglicher Art.

Bei näherer Überlegung und positiver Herangehensweise dürften sich für vieles Lösungen finden lassen, denn wir müssen ja versuchen, bei allen berechtigten Maßnahmen so viel Normalität wie möglich zu erhalten.

Und Solidarität mit den Bereichen, wo das nicht möglich ist, ist vollkommen fehl am Platz, denn das bringt das ganze Land, wenn nicht die ganze Welt zum Stillstand.

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Zwei wichtige personelle Veränderungen haben sich im Jugendbereich der SG Telgte ergeben:
Simon Lammerding hat im März die Leitung der SG Telgte Fussballjugend übernommen.
Seinen Aufgabenbereich als bisheriger Kleinfeld-Koordinator übernimmt Frau Nina Häger (Mail: n.haeger@sg-telgte.de)
Stellvertretender Jugendobmann bleibt Siggi Springmeier mit dem Schwerpunkt der Spiel- und Trainingsbetrieb-Organisation.

Corona

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So, jetzt ist es endgültig raus: Der Spielbetrieb in sämtlichen Sportligen ist vorläufig eingestellt. Eigentlich eine gute Entscheidung, denn es gilt ja, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und Menschenansammlungen im Allgemeinen zu vermeiden. In ein paar Fällen erscheint die Konsequenz dann aber doch übertrieben.

Der Sport ist immerhin die zweitschönste Nebensache der Welt, aber in Krisenzeiten müssen Nebensachen eben zurücktreten für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Glücklicherweise werden wir nicht das Ende der Welt erleben: Chinas und Hongkongs Fallzahlen zeigen deutlich, dass der Negativtrend gestoppt ist und es nur ganz vereinzelt neue Fälle gibt, während eine relativ große Zahl Patienten als geheilt entlassen werden. Singapur, Thailand und die Kreuzfahrtschiffe werden bald folgen, alle anderen befinden sich Stand heute noch auf dem Hinweg. Also kann man mal getrost sechs Monate rechnen, bis alles wieder halbwegs rund läuft und deshalb ist es auch höchst unwahrscheinlich, dass der Spielbetrieb für den Rest der Saison noch einmal aufgenommen wird. So gehen wir einstweilen davon aus, dass die gesamte Saison nicht gewertet wird und zum Herbst jeder wieder in seiner Liga antritt und Auf- und Abstiege flachfallen.

In den meisten Fällen spielt das in unserer Region keine Rolle, für manche Mannschaften hat das aber doch Auswirkungen. Bei allen ist aber die Enttäuschung groß, vorläufig nicht spielen zu können. Jeder hatte sich noch etwas vorgenommen, was jetzt nicht zum Tragen kommt.

Fußball:
Bei den Damen und Herren des Rasenballsports unserer Region hätten sowieso alle die Liga gehalten. Am gefährdetsten hier vielleicht Westbeverns Damen, aber mit vier Punkten Vorsprung und einem Spiel Rückstand, wäre das auch hier nicht wirklich gefährlich geworden.

Volleyball:
Für Ostbeverns Zweitliga-Mannschaft kann dabei gut eine zweite Saison herausspringen, was eigentlich schon abgehakt war. Mit sieben Punkten Rückstand auf einen Relegationsplatz bei vier ausstehenden Spielen, konnte man eigentlich bereits mit der dritten Liga planen.
Westbeverns Erste trifft die Absage schwer: Die Damen liegen Punkt-/Sieg-/Satzgleich mit Riesenbeck auf Platz zwei der Bezirksliga und die Chancen auf einen Aufstieg waren mehr als gut. Jetzt aber ist dieser Platz undankbar, denn selbst wenn man aus Kulanz sämtliche Meister aufsteigen lassen würde, bliebe Westbevern immer noch unten.

Handball:
Beim Handball hätte sich nichts getan, also alles zurück auf Anfang. In Telgte können aber die Bauarbeiten an der Halle vielleicht eher beginnen. Dann ist man am Ende vielleicht rechtzeitig fertig.

Basketball:
Den Telgte-Wolbeck-Baskets rettet die Absage vielleicht den Hintern. Vier Spieltage vor Schluss ganz knapp Tabellenletzter, das hätte durchaus schiefgehen können. Aber schon heute hätte man selbst zu Hause Barop besiegen und sich aus dem Schlamassel retten können.
Des eine Freud, des anderen Leid: die Zweite wäre als Tabellenführer gern aufgestiegen. Sie hätte zwar noch zum Showdown in Kinderhaus antreten müssen, aber die Chancen standen mehr als gut.

Hallentennis:
Die Herren hätten am letzten Spieltag unbedingt gewinnen müssen, um dem Abstieg noch zu entgehen, für die Damen gings gegen Rheine um den Aufstieg. So kann man die Absage des letzten Spieltags in Ostbevern durchaus mit gemischten Gefühlen betrachten. Von der Sache her sind das auch die Veranstaltungen, die als letztes eine Absage verdient hätten. Hallentennis ist ja eine Einzelsportart und die Kontrahenten sind in der Regel etliche Meter voneinander entfernt. Zuschauer gibt es auch so gut wie keine. Da dürfte es etliche Orte geben, die um ein Vielfaches gefährlicher sind.

Sportkegeln:
Die Sportkegler waren rechtzeitig fertig und werden ganz sicher gewertet. Da hat sich die erste in der Mitte der NRW-Liga etabliert, alle anderen in ihren Ligen behauptet.

Tischtennis:
Ja, für Telgtes Erste hätte es vielleicht noch knapp werden können, aber eigentlich nicht wirklich. Es ist eher schade für die Zweite, die an zweiter Stelle liegend, durchaus noch Aufstiegschancen hatte. Allerdings sechs andere Mannschaften auch. Und ganz besonders schade ist es für den BSV Ostbevern, dessen Erste schon drei Spieltage vor Schluss als sicherer Aufsteiger in die Kreisliga feststand.

Bruce Banner

Spielabbrüche wegen Fanverhalten, eine neue Qualität im Konflikt zwischen DFB/DFL und den Fangruppierungen.
Auslöser: Der DFB hatte eine Kollektivstrafe gegen Dortmund-Fans verhängt, nachdem Dortmunder Ultras wieder einmal Plakate mit Hoffenheims Dietmar Hopp im Fadenkreuz gezeigt hatten.
Nein, falsch, der Auslöser ist nicht die Strafe des DFB, sondern das Verhalten der Fans, die damit eindeutig gegen Bewährungsauflagen verstießen.
Aber klären wir nochmal kurz die Sachverhalte.


Fußballfans und im speziellen die Ultras möchten gern das Verhalten ihrer jeweiligen Vereine oder der Liga beeinflussen. Ja gut, aber ich habe noch nie davon gehört, dass sich Howard-Carpendale-Fans in Tourneepläne einmischen oder Ferrari-Fans das Motorenreglement der Formel 1 beeinflussen können. Das ist also ein reines Fußball- Phänomen.
Woher nehmen sie aber die Berechtigung? Weil sie Dauerkarten kaufen, sich schön anziehen und zur Stimmung beitragen? Das machen Ferrari- oder Carpendale-Fans auch. Eigentlich gibt es keine Berechtigung, denn sie übernehmen ja auch keinerlei Verantwortung.

Trotzdem darf natürlich jeder eine Meinung haben und zumindest in diesem Land in gesteckten Grenzen auch kundtun. Hier liegt uns aber ein Fall vor, wo die Ultras ihre Grenzen bei weitem überschreiten, indem sie einzelne Personen oder Gruppen massiv verbal angreifen, beleidigen und bedrohen.
Objekt der Begierde ist Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Der Vorwurf: Eingreifen ins operative Geschäft, was laut 50+1-Regel verboten ist. Aber eigentlich, dass Hopp Hoffenheim zu einem „Retortenverein“ (Achim Watzke) gemacht hat und dass den „Traditionsvereinen“ dadurch Wettbewerbsnachteile entstehen.
In der Sache kann kein Fan wirklich beurteilen, wie groß die Einflussnahme von Geldgebern im Profi-Fußball wirklich ist. Zudem ist keiner der „Traditionsvereine“ noch irgendwie traditionell aufgestellt, alles sind Wirtschaftsbetriebe mit Millionenumsätzen und die Eintrittskarte des Fans hat da sogar den kleinsten Anteil daran.
Hopp ist aber durch die Watzke-Aussagen in den Focus der Fans gerückt und deshalb gibt es seit Jahren Anfeindungen der unterschiedlichsten Fan-Gruppierungen, ein bisschen angeführt von Dortmund.

Wenn man jetzt Hoffenheim „Hoppenheim“ nennt, ist das nicht schlimm und auch irgendwie lustig, irgendwann tauchte aber im Fanblock der Dortmunder ein Plakat auf, welches Hopps Gesicht mit einem Fadenkreuz versehen zeigte. Um auch keinen Zweifel am Sinn dieser Darstellung zuzulassen, war selbige mit dem Spruch „Hasta la Vista, Hopp“ versehen. Hopp startete eine Anzeige, der Fan entschuldigte sich, die Anzeige wurde zurückgezogen, alles erledigt.
Als aber gleichartige Plakate und persönliche Beschimpfungen gegen Hopp 2018 erneut im Block auftauchten, sprach der DFB eine Strafe aus, setzte sie aber zur Bewährung aus.
Parallel gab es eine Aussage des DFB, keine Kollektivstrafen mehr verhängen zu wollen, denn unbeteiligte Fans sollten nicht durch das Verhalten einzelner benachteiligt werden. Weil aber gerade die Dortmund-Fans im Hinspiel gegen Hoffenheim wieder heftige Schmähungen auf Plakaten von sich gaben, wurde die Bewährung widerrufen und für die nächsten zwei Jahre dürfen Dortmund-Fans nicht mehr zu den Auswärtsspielen in Hoffenheim erscheinen.

Das brachte sämtliche Ultra-Clubs auf die Barrikaden, die darin eine erneute Einführung der Kollektivstrafen sehen.
Und so sah man am vergangenen Wochenende die unterschiedlichsten Plakate in den Stadien, DFB-Kritiken wie auch Hopp-Schmähungen, was zu teils berechtigten, teils unberechtigten Spielunterbrechungen führte.

Und wieder ist die Aufregung groß und es wird argumentiert, was das Zeug hält. Dass das Fadenkreuz keine Morddrohung darstellt, dass der DFB sich nicht an Absprachen hält, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und dass die Medien zu wenig Hintergrund darstellen.
Wie das Fadenkreuz gemeint ist, machen drei Banner in Dresden nochmal deutlich: „Auch wenn das Sportgericht wieder Kollektivstrafen ausspricht/ist Herr Hopp des Schlafs beraubt,/denn Sterbehilfe ist jetzt erlaubt!“ im Zusammmenhang mit dem Fadenkreuz, gehalten von mindestens zwanzig Fans, toleriert von allen im Block. Ein besseres Argument für Kollektivstrafen gibt es gar nicht.
Ja, der DFB hat sich nicht so richtig an die Absprache gehalten, aber zunächst hat sich mal der Dortmunder Block nicht an die Absprachen gehalten. Und es ist ja schon der Widerruf der Bewährung. Wozu sollte Bewährung sonst gut sein?
Nein, es wird nicht mit zweierlei Maß gemessen. Die Affenlaute vor zwei Wochen auf Schalke hat außer dem Betroffenen keiner mitbekommen. Rassistische Banner, die so plakativ sind, wie die gegen Hopp, würden jetzt sicher gleichwertig geahndet.
Und dass die Medien zu wenig Hintergrund darstellen? Das ändern wir ja gerade.

Cleansman

Wenn mich im Sport in diesen Tagen jemand sprachlos macht, dann ist dies Jürgen Klinsmann.
Einerseits ist es für mich überraschend, wie er es bislang immer geschafft hat, nur durch seinen Spieler-Nimbus und ein offensichtlich überzeugendes Auftreten, Fachleute dazu zu bewegen, ihn eine Weltklasse- Mannschaft trainieren zu lassen.

Angefangen hat er ganz unten: als Deutscher Nationaltrainer.
Da war es schon seltsam, dass der DFB einen Trainer ohne jede Erfahrung ins höchste deutsche Traineramt berief. Gut, man hatte zuvor schon gute Erfahrungen mit Franz Beckenbauer gemacht, der ebenfalls Teamchef war, ohne je zuvor eine Mannschaft trainiert zu haben. Und Klinsmann fiel ihnen erst ein, nachdem Wenger, Olsen , Hiddink, Hitzfeld und Rehagel abgelehnt hatten, aber dennoch klappte seine Tätigkeit ganz passabel. Seltsam war nur, dass er dort schon den gesamten Betrieb umkrempeln wollte. Aber der DFB wäre ja nicht der DFB, wenn er das mit sich machen lassen würde. Nur Sepp Maier blieb als Torwarttrainer auf der Strecke.
Jedenfalls gipfelte das irgendwann im 06er-Sommermärchen, wo er die Nationalelf bis auf den dritten Platz führte. Allenthalben wurde dies als großer Erfolg gefeiert, bei Licht betrachtet war aber Deutschland bei der WM zuvor unter Rudi Völler Vizeweltmeister geworden und vor 2014 konnte man die Mannschaft des Ausrichters immer zu den Favoriten zählen, selbst Südkorea hatte es 2002 bis unter die letzten Vier geschafft.
Trotzdem, Deutschland hatte sein Sommermärchen, an Klinsmann gab es nicht viel zu kritisieren. Zwei Tage später fühlte Klinsmann sich ausgebrannt und machte sich davon in die USA, kein ganz schlechter Zeitpunkt. Zur Verleihung des Bundesverdienstordens am Bande erschien er dann auch nicht.

Zwei Jahre lang sonnte Klinsmann sich in seinem Erfolg, gefüttert mit Arena-Geld aus einem Kommentatoren- Vertrag, den Arena nicht erfüllen konnte. Also Geld fürs Nichtstun.

Dann trat er bei den Bayern als Trainer an, die sich zum zweitenmal nach Ribbeck auf einen Blender einließen. Also wurde es eine Saison ohne Titel, Viertelfinale Championsleague, Viertelfinale Pokal und fünf Spieltage vor Schluss gefeuert, damit man die Championsleague-Quali nicht noch verpasst. Heynckes hats dann gerettet.
Als Wunschspieler hatte Klinsmann im Winter den US-Amerikaner Landon Donovan auserkoren – der schnelle Stürmer von Los Angeles Galaxy wäre mit seinem Tempo-Spiel ideal für die Münchner. Als dieser eintraf war er langsamer als alle Feldspieler der Bayern.
Am Ende versuchte er, sich im nachhinein als Opfer zu stilisieren, empfand Kritik als Folge der Kahn-Degradierung in der Nationalelf.

Die nächste Station war der Nationaltrainer-Job in den USA. Das verlief sogar erfolgreich, (die USA erreichte bei der WM 2014 das Achtelfinale, nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit) wurde verlängert und dauerte fünf Jahre und knapp 100 Spiele an. Als aber die nächste WM-Quali in Gefahr war, musste der Schwabe gehen.

Drei Jahre später taucht er dann bei der Hertha auf, für die er als Spieler niemals tätig war, aber wo er seit 2004 trotzdem Mitglied ist. Er wird von Investor Lars Windhorst in den Aufsichtsrat berufen und stellt dort scheinbar fest, dass der Trainer die Wurzel des Übels bei Hertha ist und übernimmt diese Tätigkeit dann selbst. Dabei bemerkt er, dass es doch wohl an allen anderen lag, er protokolliert das für Windhorst und möchte dann einen Vertrag für die Zukunft mit nahezu unbegrenzten Kompetenzen und einem astronomischen Gehalt. Das wollen aber wohl die Leute nicht, die Klinsmann gern gefeuert sähe.
Und deshalb muss er dann „nach langer Überlegung“ (dürften so ziemlich 2 Stunden gewesen sein) nach 10 Spieltagen leider seinen Abschied als Trainer per Facebook verkünden und wieder auf seinen Aufsichtsratposten zurückkehren. Den Fans, nicht etwa dem Verein. Der bekommt das dann schon mit.
Die Herren sind etwas verwundert und machen dann auch eine Pressekonferenz. Mit Windhorst, der dabei sagt, den Aufsichtsratsposten könne er ja wohl knicken, nachdem er sich wie ein Teenie verhalten hat.
Dann taucht ein 22seitiges Protokoll bei der Sportbild auf. Verfasst scheinbar während der letzten Wochen und gerichtet an Windhorst. Und von einem Dritten geschrieben nach Klinsmann-Diktat. Was das Klinsmann-Management auch bestätigt.
Tja, die darin kritisierten Leute haben sicher nicht das geringste Interesse, so etwas in die Öffentlichkeit zu bringen, ebensowenig der Adressat. Wenn es denn dann nicht ein Mitarbeiter im Copy-Shop war, der sich was dazu verdienen wollte, bleiben ja nur der Aufschreiber und sein Diktator als Quelle. Jedenfalls verfehlt es seinen Zweck nicht ganz: die Leute fragen sich, was wohl an den Anschuldigungen in dem Papier, was die Sportbild so liebevoll Tagebuch nennt, dran sein könnte.
Das meiste können wir als Außenstehende nicht wirklich beurteilen, einiges aber doch:

„25. 11. 2019: Rangnick teilt unmissverständlich mit, dass er das Projekt Berlin spannend findet, in einer Konstellation mit Michael Preetz als sein Vorgesetzter jedoch niemals kommen würde.“ Das ist zwei Tage vor Klinsmanns Amtsantritt, der erst Ralf Rangnick als Trainer für Hertha haben wollte. Rangnicks Management bestätigt ein Telefonat mit Klinsmann, bestreitet aber, dass Preetz darin vorkam. Gleiches kommt kurz darauf von Rangnick selbst, der nur auf seinen bestehenden Vertrag mit Red Bull hingewiesen hatte.

Klinsmann schreibt, dass Herthas Markenboss Paul Keuter den Vertrag von Performance-Manager Arne Friedrich, dessen Berater er auch ist, ausgehandelt hat. Für die Hertha allerdings ein Vorteil, schließlich sparte der Verein so das übliche Beraterhonorar. Die Verträge der Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff wurden von Klinsmanns Anwalt André Gross ausgearbeitet, der dafür durchaus kassiert hat.

Über die medizinische Abteilung: „Man versucht ständig, Spieler krank oder verletzt zu reden.“, (um seine eigene Existenz zu rechtfertigen). Das ist allerdings ein schlechter Scherz. Die Hertha hat nach Paderborn den niedrigsten (und somit besten) Verletztenstand der Liga.

In seinem ersten Spiel als Trainer konnte laut Klinsmann seine Elf durchaus mit dem Gegner mithalten. Klar, Dortmund hat ja auch größtenteils nur zu zehnt gespielt. Ist also eine etwas seltsame Bewertung, wie auch bei den anderen Punkten.

Eine andere Spielbewertung lässt den Schluss zu, dass dieses „Tagebuch“ erst wesentlich später geschrieben wurde: „Gegen Borussia Mönchengladbach, immerhin Tabellenführer, haben wir sogar einen Punkt geholt.“ Zum Zeitpunkt des Spiels war Gladbach aber nur Zweiter. Das weiß man vielleicht heute nicht mehr, am Spieltag aber sicherlich.

Alles spricht also dafür, dass dieses Protokoll erst kürzlich entstanden ist und einfach nur alle im Verein diskreditieren soll, die nicht Klinsmann heißen. Und deshalb ist auch offensichtlich, wer das wohl hat durchsickern lassen.
Deshalb sollte man das auch komplett ignorieren und sich nicht fragen, was daran etwa stimmen könnte.
Es ist das Nachtreten eines Mannes, der unter einer unglaublichen Profilneurose leidet und niemand wird in Zukunft noch auf die Idee kommen, ihm eine Stellung anzubieten, in der er die immer angestrebten Machtbefugnisse auch nur ansatzweise vorfinden kann.
Und das ist gut so.

Austrainiert

Eine Mannschaft gewinnt mal und verliert mal. Eigentlich weiß das jeder.Bei besonders ehrgeizigen Mannschaften kommt es aber auch noch darauf an, gegen wen man verliert.
Da kann dann eine einzige Niederlage dazu führen, dass sofort der Trainer in Frage gestellt wird.
Von Medien, von Fans oder gar vom Vorstand selbst, was einen riesigen Unterschied ausmacht.

Beim Vorstand kann es natürlich sein, dass er seine Erwartungen nicht erfüllt sieht. So wie es aber bessere oder schlechtere Trainer gibt, so gibt es auch bessere oder schlechtere Vorstände.
Denn dort ist ja der Trainer ausgesucht worden. So gibt es auch dort falsche Reaktionen. Entweder man feuert einen Trainer zu schnell, weil man hektisch wird oder weil man dem Druck von außen nicht gewachsen ist. Oder man hält zu lange an einem Trainer fest, weil man sich seine eigene Fehleinschätzung nicht eingestehen will.
Natürlich gibt es auch bei Trainern genau wie bei Spielern Fehleinkäufe und so muss es kein schlechter Trainer sein, er passt vielleicht nur nicht zu der Mannschaft. Oder zur Philosophie des Vereins. Oder es gibt persönliche Animositäten, die sich erst im Verlauf der Tätigkeit ergeben haben. Und dann reicht schon ein kleiner Anlass für schnelles Handeln.
Es kann aber auch umgekehrt sein, dass pekuniäre Sachzwänge einen Vorstand dazu bewegen, am Trainer festzuhalten. Eine Entlassung ist nämlich teuer. Im Profisport bekommen Trainer saftige Abfindungen oder auf ewig ihr üppiges Gehalt weiter. Und die könne nicht wie bei Spielern ausgeliehen oder verkauft werden.
Sicher ist es manchmal notwendig, einen Trainer rauszunehmen. Weil er nicht den richtigen Weg findet. Bei Aufstellen der Mannschaft oder beim Umgang mit den Spielern.
Aber doch nicht immer.
Drei Spiele verloren und alle fordern sofort den Kopf des Trainers, Medien wie Fans. Und da habe ich jetzt nicht den Eindruck, dass die ganzen selbsternannten Fachleute einen Unterschied Anhand von Ursachen machen. Zumal sie in diese meistens gar nicht eingeweht sind.


Aber es ist so einfach, immer irgendeinen Kopf zu fordern und hat sich seit der fränzösischen Revolution bewährt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Situation dann bessert, liegt laut Statistik bei etwa 50%.
Das heißt ja wohl, dass die Hälfte aller Trainerentlassungen überflüssig sind und nur Geld kosten.
Macht auch Sinn, denn genau der Vorstand, der den alten Trainer ausgesucht hat, sucht auch den neuen nach genau den selben Kriterien aus. Vielleicht sind die ja falsch.
Der Rest ist Glücksache. Ein glücklicher Sieg und das Thema ist vom Tisch. Drei Siege und ein neuer Held ist geboren.
Lucien Favre hat jetzt im Kicker ein Interview gegeben, in dem er den Umgang mit Trainers angeprangert hat.
Er selbst war ja Leidtragender: Held im vergangenen Jahr, weil man den Bayern Paroli bieten konnte, in Frage gestellt in dieser Hinrunde, weil es mal drei Spiele nicht so lief.
Das ist aber alles der Erwartungshaltung von anderen geschuldet. Letzte Saison hatte niemand damit gerechnet, dass jemand mit den Bayern auf Augenhöhe spielen könnte. In dieser Saison ist Dortmund bereits im Juni als Favovon
Austrainiertrit ausgerufen worden. Dabei haben sich Stärken und Schwächen der Mannschaften gar nicht so sehr verändert.
Und jetzt sind so einige enttäuscht, dass sie den falschen Schreiberlingen gefolgt sind. Und Schuld ist der Trainer.
Wer sonst?
Und das ist nur ein Beispiel.
Vier Trainer mussten in der Hinrunde gehen, das ist für Bundesligaverhältnisse sogar wenig. Vielleicht gibt es ja auch eine Trendwende. Der Überraschungstrainer der Hinrunde dürfte wohl Christian Streich gewesen sein. Und der ist seit acht Jahren im Amt.

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Job